Was ist eine englische, dänische, holländische, amerikanische oder deutsche Mischung?

Vielen Anfängern, aber auch gestandenen Pfeifenrauchern begegnen immer wieder die üblichen Begriffe, um Tabake zu charakterisieren. „Dänische Mischung“ und „Englische Mischung“ sind wohl die am meisten verwendeten Schlagworte, die dazu dienen sollen, die Geschmacksrichtung eines Tabaks grob in eine Richtung einzuteilen. Dabei gibt es natürlich Ungenauigkeiten, Unklarheiten und Verwirrung stiftende Angaben.

Fangen wir an dieser Stelle mit den englischen Mischungen an. Wie kam es zu diesem Begriff, und was macht diese Tabake aus?

Englische Mischungen haben ihren Ruf dem Umstand zu verdanken, dass es bis in die Siebziger Jahren in Großbritannien verboten war, Tabake mit Vanille, Fruchtaromen oder anderen Essenzen zu aromatsieren. So konnte man zwar immer noch auf andere Essenzen wie z.B. Geranium oder andere Aromatisierungen zurückgreifen, für die „seifige“ Tabake bekannt sind, doch in der Regel blieb ein Großteil der Tabake weitgehend naturbelassen. Die Mischungen oder Flakes bestanden aus Virginia, Burley, Perique, Orienttabaken und Latakia. Der Latakia hatte seine Beliebtheit übrigens dem Umstand zu verdanken, dass er durch seinen starken Geruch in der Lage war Körpergerüche zu überdecken. Heutzutage versteht man unter englischen Mischungen im allgemeinen naturnahe Tabake. Dabei MUSS eine englische Mischung nicht zwingend Latakia enthalten. Auch ein Virginia-Perique-Blend, oder ein Virginia-Orient gehen als „englisch“ durch. Weitere Verwirrung stiftet in diesem Zusammenhang der Begriff „Balkan Blend“. Er leitet sich von der einst so beliebten Marke „Balkan Sobranie“ ab. Die beliebteste Mischung dieser Reihe bestand aus wenig Virginia, Latakia und einer gehörigen Portion Orient-Tabaken. So ist heutzutage mit dem Begriff „Balkan Blend“ ein latakiahaltiger Tabak gemeint der wenig Virginia, aber viel Orient enthält. Samuel Gawith Squadron Leader oder auch Presbyterian sind prominente Vertreter dieser Richtung.

Über den Begriff der „dänischen Mischung“ ist auch schon viel geschrieben und gedeutet worden. Ursprünglich war es aus dänischen Kolonialgebieten günstig verfügbarer Zucker, der dazu führte, Tabake deutlich länger haltbar zu machen und ihn mit weiteren Aromastoffen anzureichern. Vor allem die Erfindung des Black Cavendish, bei dem Tabak mit Zucker versetzt, und immer wieder erhitzt wird, hat zur Beliebtheit dieser Richtung maßgeblich beigetragen. Als skandinavische Möbel und Design in den Sechziger und Siebziger Jahren in Deutschland zunehmend als besonders progressiv empfunden wurden, setzte ein regelrechter Boom bei Tabaken dieser Richtung ein, zulasten der „englischen Mischung“. Heutzutage wird fälschlicherweise eigentlich alles, was aromatisiert ist, als „dänische Mischung“ bezeichnet. Dabei haben „echte“ dänische Mischungen aber immer gemein, dass Aroma nur zur Unterstützung des Tabakgeschmacks hinzugezogen wird, nie zu seiner Überdeckung. Dabei bleibt noch festzuhalten, dass in Dänemark selbst am liebsten Virginiaflakes geraucht werden. Orlik Golden Sliced ist seit Jahren der beliebteste Tabak Dänemarks.

„Amerikanische Mischungen“ im klassischen Sinne gibt es kaum auf dem deutschen Markt. Diese Tabake enthalten allesamt eine gehörige Portion Burley sowie Virginia. Der Burley spielt dabei die Hauptrolle; er gibt dem Tabak Struktur und ein erdig-schokoladiges Aroma. Außerdem ist Burley durch seine poröse Beschaffenheit besonders gut geeignet, Aromastoffe aufzunehmen. So ist ein typisch amerikanischer Tabak zumeist mit z.B. Cocos oder alkoholischen Aromen versehen. Der hier abgebildete RM (ehemals Rum & Maple) ist die deutsche Lizenzproduktion eines Tabaks, den es im Orignal schon seit Jahren nicht mehr in den USA gibt. Der Mixture 79 ist ein weiterer Vertreter dieser Richtung. Diese Tabake spielen in den USA immer noch eine größere Rolle, in Deutschland im Allgemeinen immer weniger, wobei der RM allerdings zu den meistverkauften Tabaken hierzulande gehört. Die Tabake haben eine gewisse Süße, aber sparen auch nicht mit Würze.


Holländische Mischungen gehörten in Deutschland bis in die Siebziger Jahre zu den beliebtesten Sorten und sind dann durch den Boom der deutlich leichteren dänischen Geschmacksrichtung fast komplett vom Markt verschwunden. Sie enthielten häufig Tabake aus den niederländischen Kolonialgebieten in Indonesien, was den Tabaken eine ausgeprägt würzige und „zigarrige“ Note gibt. Später kamen dann auch Mischungen mit Kentucky und Orient, wie z.B. der Amphora Full hinzu. Diese Tabake hatten meist auch eine Aromatisierung, doch der würzige Tabakcharakter blieb immer erhalten. Der abgebildete Voorogst ist im übrigen ein besonders würziger und kräftiger Vertreter dieser Richtung.


Was nun folgt, ist mit Sicherheit noch diskussionswürdig, doch wir wollen es dem hervorragenden Blog von Ralf Dings gleichtun und die Kategorie „deutsche Mischung“ klar benennen. Als in den Siebziger Jahren die „dänischen Mischungen“ in Deutschland immer beliebter wurden, trafen Sie auf einen Markt, der schon deutlich von Filterfpfeifen geprägt war. So nahm der Filter zwar Schadstoffe auf, aber er nahm dem Rauch auch deutlich Aroma und Süße. Um auf diese „deutsche Besonderheit“ einzugehen, kamen mehr und mehr Tabake auf den Markt, die deutlich intensiver aromatisiert, und mit viel mehr Black Cavendish angereichert waren. Exclusiv Mixture No.2 (ehem. Wild Mango) ist ein gutes Beispiel für diese Kategorie – und einer der der Vorreiter. Die Intensität des Aromas wurde verstärkt, die Süße und der Raumduft traten deutlich in den Vordergrund und wurden ein immer wichtigeres Merkmal. Heutzutage findet man im Hause DTM wohl die qualitativ hochwertigsten Repräsentanten dieser Richtung. Tabake wie der Dan Tobacco Milonga haben ein unglaublich süßes Aroma, einen sehr angenehmen Raumduft und sind perfekt für die Bedürfnisse des Filterpfeifenrauchers angepasst. So sind also längst nicht alle aromatisierten Tabake „dänische Mischungen“, wie es oftmals heißt. Das Bild ist deutlich vielschichtiger.

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